VON MICHAEL BLUM | 07.05.2017 13:48

Sonst knallt's - Matthias Weik und Marc Friedrich im Interview mit UNI.DE

„Warum wir Wirtschaft und Politik radikal neu denken müssen“ so der Untertitel des neuen Buches „Sonst knallt’s“ aus der Feder des Autorenduos Matthias Weik und Marc Friedrich. Was dabei neu gedacht werden muss und warum dies eine Notwendigkeit ist, haben die beiden im folgenden Interview mit UNI.DE ausgeführt.





UNI.DE: Statt dem bewährten Duo Weik/Friedrich Ihrer ersten drei Bücher ist bei „Sonst knallt’s“ ein Autoren-Trio am Werk. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Götz W. Werner?

Matthias Weik (MF): Wir alle merken, dass in den letzten Jahren etwas gewaltig schief läuft in der Welt, in Europa aber auch in Deutschland. Wir alle spüren intuitiv, dass seit Jahren etwas nicht stimmt und die Welt aus den Fugen geraten ist. Die Gesellschaft driftet immer weiter auseinander. Wir können so wie bisher nicht weiter machen. Dieses Gefühl beschleicht uns drei Autoren alle gleichermaßen und wir sahen es an der Zeit vor der Bundestagswahl einen Art Weckruf, ein überparteiliches Programm zu veröffentlichen, da wir von den bestehenden Parteien keinen notwendigen Wandel erwarten. Kennengelernt haben wir uns dadurch, dass Herr Werner unser erstes Buch „Der größte Raubzug der Geschichte“ gelesen hatte und begeistert war. Nach einer Kontaktaufnahme haben wir im April 2013 eine gemeinsame Podiumsdiskussion in Stuttgart gemacht zum Thema Finanzkrise und bedingungsloses Grundeinkommen.

UNI.DE: Zentrales Thema Ihrer bisherigen Titel war das globale Finanzsystem und die Notwendigkeit zu Reformen in diesem Bereich. Viele Ihrer Thesen stellen Sie auch im vorliegenden Buch noch einmal dar. Was ist hinzugekommen?

Marc Friedrich (MW): Dieses Buch ist noch politischer wie unsere ersten drei Bestseller. Wir sehen es als Weckruf vor der Bundestagswahl und eine Art überparteiliches Programm. Wir sehen doch, dass immer mehr Menschen sich von den Parteien nicht mehr abgeholt fühlen und sich von ihnen abwenden. Dies ist eine brandgefährliche Entwicklung für unsere Demokratie. Wir brauchen Parteien die den Menschen und dem Land dienen. Hinzu kommt im Buch das Thema der Digitalisierung/Industrie 4.0 und die damit einhergehenden massiven Auswirkungen auf unsere Arbeitswelt. Die UN und die Weltbank erwarten, dass in den nächsten zwei Jahrzehnten 50 bis 75% aller Arbeitsplätze wegfallen und durch Roboter usw. ersetzt werden. Da haben wir uns die Frage gestellt, was müssen wir machen, damit keine sozialen Unruhen entstehen und man die Digitalisierung als Chance und nicht als Gefahr begreift. So sind wir bei der Lösungssuche auf das Bedingungslose Grundeinkommen und zur Finanzierung auf die Steuerrevolution in Form einer Konsumsteuer gekommen.

UNI.DE: Das Bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) – eine oftmals belächelte und kritisierte Idee: In „Sonst knallt’s“ verweisen Sie nicht nur auf prominente Wirtschaftsvertreter, die ebenfalls Verfechter des BGE sind, sondern beschreiben seine Einführung zudem als überfällig und wichtigen Schritt in Richtung Lösung verschiedenster gesellschaftlicher Probleme. Welche Auswirkungen wird die Einführung des BGE Ihrer Meinung nach haben?

MF: Eine durchaus positive und heilsame. Wir würden einen Evolutionssprung machen. Vorab: Die Industrie 4.0 kommt! Der Fortschritt ist durch nichts und niemanden aufzuhalten. Alle Studien zeigen ganz klar auf, dass wir in Zukunft weniger Arbeitskräfte benötigen werden. Dies soll keine Angst machen sondern eher als Chance gesehen werden. Die Menschheit hat seit jeher immer versucht sich durch Erfindungen der Arbeit zu entledigen oder zu erleichtern - Angefangen mit der Erfindung des Rades, über die Erfindung von unzähligen Werkzeugen, Maschinen, Schiffen, Autos, Flugzeugen, Computern, Robotern bis hin zu selbst lernenden Maschinen... Nun stehen wir vor der Türe ins Paradies und könnten bald einen Großteil der Arbeit an Maschinen und Roboter delegieren und hätten endlich Zeit für die wahre Berufung der Menschen. Die Existenzangst durch Jobverlust würde verschwinden und man könnte tatsächlich das machen wofür man berufen ist. Ohne das BGE kann die digitalisierte Welt und Gesellschaft überhaupt nicht funktionieren. Des Weiteren müssten wir unattraktive Jobs entweder attraktiver gestalten, besser bezahlen oder Maschinen erfinden, welche die Arbeiten in Zukunft übernehmen. Wir sind uns sicher, dass die Gesellschaft insgesamt gesunden würde. Wir sehen doch, dass wir uns immer mehr auseinander dividieren und nicht mehr miteinander sondern nebeneinander leben. Damit wäre Schluss.

UNI.DE: Eine weitere zentrale Rolle in „Sonst knallt’s“ spielt die Reform des Steuerwesens. Was muss in Ihren Augen reformiert werden und warum? Können Sie Ihre Ideen kurz skizzieren?

MF: Wir fordern eine wahre Steuerrevolution: Alle Steuern abschaffen - bis auf eine! Die Konsumsteuer. Unser jetziges Steuersystem ist ein Relikt aus dem Mittelalter als Leistung besteuert wurde. Damals lebten wir in einer Gesellschaft der Selbstversorgung. Heute leben wir aber in absoluter Fremdversorgung. Daran müssen wir das Steuersystem anpassen und modernisieren.

MW: Selbst wir als Ökonomen haben unsere Schwierigkeiten unsere Steuererklärungen selbst zu machen - ganz zu Schweigen davon die deutschen Steuergesetze zu verstehen. Der Wasserkopf zur Erhebung, Verwaltung und Verteilung der Steuern in Deutschland ist absurd und verschlingt etliche Milliarden. Die fairste Steuer ist die Konsumsteuer. Wir müssen in Zukunft den Verbrauch, also unseren Konsum besteuern und nicht das Einkommen. Das ist die einzig gerechte Art der Besteuerung. Ein jeder zahlt damit ganz transparent seine Steuer an der Ladenkasse und muss keine Steuererklärung mehr abgeben. Zudem gibt es in diesem System kaum eine Möglichkeit Steuern zu vermeiden oder zu hinterziehen. Alle Steueroasen würden ausgetrocknet und Deutschland wird zum Steuerparadies. Bereits heute zahlt der Konsument als Endkunde alle Steuern. Mit der Konsumsteuer wäre es aber transparent, gerecht und der riesige Wasserkopf der Überbürokratisierung der Behörden würde auch Milliarden einsparen.

UNI.DE: Sie beschreiben den Neoliberalismus als „schlechten Kapitalismus“. Warum? Und gibt es Ihrer Meinung dagegen auch einen „guten Kapitalismus“?

MF: Selbstverständlich! Der Kapitalismus ist eine beeindruckende Erfolgsgeschichte. Der Realkapitalismus hat in den letzten 200 Jahren unglaubliche Wohlstandseffekte erzielt. Im Jahr 1700 lebten 90 Prozent der Menschen in bitterer Armut, waren Selbstversorger und wurden im Schnitt 35 Jahre alt. Seit der Implementierung des Kapitalismus ist die Armut global massiv zurückgegangen und „nur“ noch 10 Prozent der Menschheit hungert – was immer noch viel zu viel ist. Obendrein ist die Lebenserwartung ebenfalls stark angestiegen. Der Neoliberalismus hat unter Thatcher, Reagan aber auch Rot-Grün in Deutschland alles dereguliert. Insbesondere die Finanzwelt – und das war ein massiver Fehler. Der Finanzkapitalismus hat den Realkapitalismus seit dem gekapert und quetscht ihn rigoros aus. Heute zirkuliert 90 Prozent allen Geldes in der Finanzwirtschaft und die durchschnittliche Haltedauer von Aktien beträgt 22 Sekunden. Es entstehen andauernd neue Finanzmarktblasen und –krisen für die die Allgemeinheit haften und zahlen muss. Ein perfides aber hoch lukratives System.

UNI.DE: Gegen Ende Ihres neuen Buches verweisen Sie darauf, dass Sie dieses als „Weckruf zu einer essentiellen Grundsatzdebatte über die Zukunft unseres Wirtschafts-, Sozial- und Finanzsystems“ verstehen wollen. Prinzipiell verfolgten Sie dieses Ziel ja auch mit den ersten drei Büchern. Warum ist seither trotzdem so wenig Reformwille in Deutschland und weltweit zu erkennen?

Mehr Punkrock für das Finanzsystem!

MW: Vielen von uns geht es noch viel zu gut und die Politik hat nicht die Visionen und den Mut tatsächlich etwas nachhaltig zu verändern. Auch war der Knall 2008 wohl nicht heftig genug. Was wurde kurz nach der Krise alles versprochen von Politik und Wirtschaft. Nichts bis wenig von dem wurde umgesetzt. Man hat lediglich die Krisen mit viel billigem Geld in die Zukunft verschoben und sich teuer Zeit erkauft auf Kosten von uns Bürgern. Leider lernt die Menschheit zumeist nur durch Katastrophen und durch Scheitern. So wird es auch dieses Mal sein. Wenn wir wirklich Wandel wollen und den Crash verhindern wollen, müssen wir etwas bewegen. Wandel kommt immer von unten nicht von oben. Auch das lehrt uns die Vergangenheit. Leider regiert momentan das Geld und nicht die Politik. Hier wollen wir mit unserem neuen Buch ansetzen.

UNI.DE: Wann knallt’s und wie wird dieser Knall aussehen?

MF: Die nächsten 3-5 Jahre werden spannend und unser bestehendes System auf den Kopf stellen. Der Knall kann viele Formen annehmen. Entweder schleichend wie momentan oder mit einem einzigen Ereignis. Das weiß keiner. Wir gehen davon aus, dass extreme Parteien in Zukunft immer stärker werden und Wahlen gewinnen, der Euro und die EU werden auseinander brechen, die Migration weiter zunimmt und soziale Unruhen auf uns zukommen werden. Auch Bürgerkriege und sogar ein Krieg sind leider nicht ausgeschlossen. Die Warnsignale werden immer mehr und immer größer.

UNI.DE: Wer kann das verhindern und auf welche Weise? Sie leiten das erste Kapitel des Buches ja mit einem Zitat von George Bernard Shaw ein: „Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die Normalen gebracht haben.“

MW: Wahrer Wandel kommt immer von unten, von den Menschen. So wie 1989 in Leipzig wenn wir Glück haben. Wenn wir Pech haben, wie 1789 in Paris. Es liegt an uns. Wir müssen den Druck nach oben weitergeben und ausüben. Vielleicht entsteht aus diesem Büchlein eine politische Bewegung oder es dient sogar als Fundament für eine neue Partei die nicht in Schubladen verhaftet ist - ohne Ideologien und Dogmen sondern für die Menschen und das Land. Wir müssen in Zukunft Brücken bauen und nicht in Schubladen denken.

UNI.DE: Letzte Frage: Ist eine weitere Zusammenarbeit mit Herrn Werner geplant und was sind generell Ihre nächsten Pläne?

MF: Ja, wir gehen gemeinsam auf Tour und stellen unsere Ideen und Forderungen vor. Termine finden Sie auf unserer Webseite (www.friedrich-weik.de). Wir sind in den Medien bei Lanz und Gottschalk. Parallel haben wir Deutschlands ersten offenen täglich handelbaren Sachwertfonds zur Vermögenssicherung gegründet und auf den Markt gebracht. Neben unserer Honorarberatung halten wir weiterhin Vorträge und ja, Herr Weik und ich haben bereits wieder Ideen im Kopf für ein neues Buchprojekt.

Sonst knallt's! "Sonst knallt's - Warum wir Wirtschaft und Politik radikal neu denken müssen"
von Götz W. Werner, Matthias Weik und Marc Friedrich
erschienen im Eichborn Verlag in der Bastei Lübbe AG
ISBN: 978-3-8479-0634-6
Preis: 10 Euro

UNI.DE verschenkt drei Exemplare von "Sonst knallt's"! Trage einfach hier deine Daten ein und nimm - bis zum 30.05.2017 - an der Verlosung von "Sonst knallt's" - dem neuen Werk von Götz W. Werner, Marc Friedrich und Matthias Weik, teil.
Mein Vorname
Meine vollständige Postadresse
Mein Nachname
Meine E-Mail Adresse
Ja, ich habe die Teilnahme- und Datenschutzbedingungen gelesen und akzeptiert.

Weiter Informationen zu unseren Datenschutzhinweisen.


Die beiden Ökonomen, Querdenker, Redner und Honorarberater Matthias Weik und Marc Friedrich schrieben 2012 gemeinsam den Bestseller “Der größte Raubzug der Geschichte – warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden“. Es war das erfolgreichste Wirtschaftsbuch 2013. In ihrem zweites Buch "Der Crash ist die Lösung – Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten" war das erfolgreichste Wirtschaftsbuch 2014. Im Mai 2016 ist ihr dritter Bestseller „Kapitalfehler - Wie unser Wohlstand vernichtet wird und warum wir ein neues Wirtschaftsdenken brauchen“ erschienen. Im April 2017 ist ihr viertes Buch „Sonst knallt´s!: Warum wir Wirtschaft und Politik radikal neu denken müssen“ das sie gemeinsam mit Götz Werner (Gründer des Unternehmens dm-drogerie markt) geschrieben haben. Matthias Weik und Marc Friedrich sind Initiatoren von Deutschlands erstem offenem Sachwertfonds dem FRIEDRICH&WEIK WERTEFONDS.Weitere Informationen über die Autoren finden sich unter: www.friedrich-weik.de, bei Facebook unter www.facebook.com/friedrichundweik/ und bei Twitter www.twitter.com/FRIEDRICH_WEIK.