VON CHARLOTTE MEYER | 26.03.2016 08:22

„Ich sage: Moslems raus aus Deutschland!“ – Rassismus an deutschen Unis wieder salonfähig?

Wieso sind die Reaktionen so aggressiv, wenn die Anklage vermeintlich unberechtigt ist? Rassismus als Lappalie, als Übertreibung einer Opferhaltung ohne Grund? Mit dem Hashtag #campusrassismus startete eine Hochschulgruppe der Uni Mainz eine Initiative gegen Rassismus an deutschen Unis. Betroffene äußerten sich auf Twitter und wurden zum Teil arg beschimpft. Auch in einer Rassismus-Umfrage der Uni Köln tauchten rassistische Kommentare an Stellen auf, an denen sie nicht hätten sein sollen. Erleben wir jetzt eine Rückkehr des Rassismus an den Unis oder ist das ein Problem, das bisher nur zu wenig beleuchtet wurde


Medien berichteten falsch

Der AStA der Uni zu Köln musste einiges klarstellen. Der Kölner Stadtanzeiger, Focus, Spiegel Online, Welt.de und andere hatten nämlich über eine Umfrage berichtet, die der Allgemeine Studierendenausschuss an der Uni Köln zum Thema Rassismus durchgeführt hatte. Für manche Medien stand die Umfrage im Zusammenhang mit den Ereignissen in der Silvesternacht am Kölner Dom und teilweise wurde die Erhebung als Prüfung der Umfrageteilnehmer auf persönliche rassistische Stimmungen dargestellt. Das stimmte aber so nicht ganz. Die Umfrage war vom AStA schon vorher geplant und es ging nicht darum, Studierende auf ihre Gesinnung zu prüfen, sondern ihre Erlebnisse abzufragen. Welt.de schrieb, dass der Aussage „Slawinnen sind leicht zu haben“ in der Umfrage 36 Prozent zustimmten, 25 Prozent der Meinung waren, dass Asiaten Streber seien und zwölf Prozent meinten, Afrikaner könnten singen und tanzen. Der AStA veröffentliche daraufhin eine längere Stellungnahme und verdeutlichte, dass diese Angaben in dem Zusammenhang „höre ich regelmäßig“ zu verstehen seien. Besonders oft hören demnach Studierende Diskriminierendes über Slawinnen und weniger selten, dass Afrikaner alle tanzen könnten. Wieso ist die Umfrage nun interessant? Rassistische Äußerungen hört man schließlich – leider – vielerorts und auch die Uni ist da keine Ausnahme. Das Schockierende an dieser Umfrage waren nicht die hohen Rückmeldungen über das Vorkommen von Rassismus, sondern die offenen Antwortfelder. Wegen ihnen hatte der AStA die Ergebnisse auch noch vor der kompletten Auswertung der Umfrage öffentlich gemacht.

Universitäten doch nicht so heilig wie man immer denkt

Jene offenen Antwortfelder nämlich wurden mehrmals von Teilnehmenden benutzt, um ihre Einstellungen zu Muslimen, Geflüchteten oder Migrantinnen und Migranten abzulassen – obwohl diese dafür gar nicht vorgesehen waren. Da hieß es zum Beispiel: „Durch die Internationalisierung gehen unsere deutschen Werte verloren.“ oder „Ich sage: Moslems raus aus Deutschland!“ - das war erschreckend für den AStA. Es ging ja schließlich in der Erhebung nur darum, zu verstehen, wann und wo Rassismus vorkommt, um gezielt dagegen vorgehen zu können. Durch diese Umfrage mit den unerwarteten, rassistischen Kommentaren ist für den AStA der Uni Köln klar: Universitäten sind keine Horte von ideologiefreien Wissenschaften und Studierenden – entgegen der üblichen Annahme. Das möchte der AStA nicht belächeln, sondern es als Thema noch stärker ins Gespräch bringen. Auch wenn die Umfrage nicht stellvertretend für die gesamte Studierendenschaft ist, hinterlässt sie einen bitteren Beigeschmack. Denkt man doch immer, dass gerade an der Uni kritisches Denken gelehrt wird und Rassismus deswegen gar keine Option sein kann.

Raushalten oder Eingreifen?

Dass es an der Uni rassistische Tendenzen gibt, zeigen vor allem Berichte von Studierenden mit ausländischen Namen, nicht-weißer Hautfarbe oder von Studentinnen, die Kopftuch tragen. Ihre Beschwerden werden oft nicht ernst genommen oder als "Empfindlichkeiten" abgetan. Ein Blick auf die Liste der rassistischen Vorfälle des Arbeitskreises UniWatch, der sich gegen Rassismus an deutschen Universitäten stellt, genügt. Hier berichten Studierende von Erlebnissen in Seminaren und Hörsälen, in denen entweder sie selbst diskriminiert wurden oder Dozentinnen und Dozenten offenkundig rassistische Ausdrücke verwendeten. In der Regel verhallen die Beschwerden der Betroffenen, weil sie meist in der Unterzahl sind und nur wenig Unterstützung finden. Wenn man sich aber beschwert, fühlen sich Dozenten und Dozentinnen beleidigt und reagieren teilweise aggressiv. Im Dezember 2015 hatte die Hochschulgruppe People of Colour der Uni Mainz den Hashtag #campusrassismus verbreitet, um Rassismus an deutschen Unis aufzuzeigen. Viele Betroffene haben rassistische Kommentare gepostet, die ihnen begegnet sind oder haben ihre Meinung zu Rassismus geteilt. Dass das nicht konfliktfrei abgelaufen ist, zeigt, wie wenig über Rassismus nach wie vor gesprochen wird. Amina Yousaf, eine Studentin der Uni Göttingen, hatte sich hier zum Beispiel beschwert, dass sie Rassismus an der Uni zwar benennen würde, ihre Beschwerden aber als „Betroffenheits-Gelaber“ abgestempelt würden. Auf ihre Posts hin twitterten sehr viele Menschen zurück und beleidigten sie. Unter anderem mit den Worten: „Du Schlampe, ich weiß, wo du studierst, pass‘ besser auf“. Woher kommen diese Aggressionen? Fühlen sich Menschen ungerecht behandelt und beleidigt wenn man sie mit ihrem eigenen Rassismus konfrontiert? Niemand möchte heutzutage als rassistisch gelten, das ist klar. Aber dass Beschwerden mit so einer Vehemenz zurückgewiesen und manchmal gar keine Beachtung finden, ist schlimm. Es zeigt vielleicht, wie tief das Problem wirklich verwurzelt ist und wie schlecht wir immer noch damit umgehen können.