VON RICHARD KEHL | 10.06.2009 12:00

UNI Kino: Die Kinder der Seidenstraße

Der Schindler des Ostens

China: Während der 1930er Jahre gerät Journalist George Hogg zwischen die Fronten der Besetzer und Partisanen. Regisseur Roger Spottiswoode verfilmte mit viel Interpretationsfreiheit die Geschichte des Retters einer Schar von Weisenkindern in China mit Jonathan Rhys Meyers und Chow Yun Fat in den Hauptrollen.


Der britische Foto-Reporter George Hogg (Jonathan Rhys Meyers), zieht durch das von der japanischen Armee besetzte China. Er dokumentiert in Nanking, der damaligen Hauptstadt Chinas, die Brutalität und Grausamkeit des Krieges in seinen Bildern. Dazu zählen auch die Massaker der Japaner an die chinesische Bevölkerung. Diese negative PR macht ihn zur Zielscheibe der Japaner. Partisanenkämpfer Jack (Chow Yun Fat) rettet den von den Besetzern zum Tode verurteilten George bei dessen geplanter Enthauptung.

Auf der Flucht dagegen, ist George derjenige, der seinem Helfer rettet, wird dabei verwundet und landet im Yangste Tal - in einem maroden Flüchtlingslager mit chinesischen Waisenkindern.

Hier trifft er auch auf die amerikanische Krankenschwester Lee (Radha Mitchell). Eigentlich will er sich dort nur erholen, verliebt sich in seine Pflegerin, gewinnt zudem das Vertrauen der Flüchtlingskinder und baut das marode Lager zu einer vernünftigen Bleibe aus. Allerdings rückt die japanische Armee immer näher und Nationalisten zwangsrekrutieren überall im Land Kinder George beschließt mit Jack, Lee und den Kindern über die Seidenstraße zu fliehen, um sich im Dorf Shandan - am westlichen Ende der Wüste Gobi - in Sicherheit zu bringen. Unwegsames Gebirge, endlose Wüste, und Unwetter erwartet die Flüchtlingskarawane.

Kritik: Bekannt wurde Jonathan Rhys Meyers in der TV-Serie „Die Tudors“ als extravaganter König Heinrich VIII, in Woody Allens „Match Point“ mimte er den Hochstapler und in „Kinder der Seidenstraße“ erinnert er ein wenig an den jungen Ewan Mc Gregor, nur diesmal übernimmt er darin den guten Part.

Inhaltlich mag der Film seine spielerischen Freiheiten haben und die damaligen Geschehnisse auf seine ganz eigene Art und Weise wiedergeben: So steht immer noch die Frage im Raum, ob George Journalist war, oder nur ein Abenteurer aus gutem Hause.

Die klischeeartige Liebesgeschichte ist ein wenig zu dick aufgetragen und wirkt schon fast nervig kitschig - ebenso die Klamauk-Einlagen von Chow Yun Fat. Aber: wer asiatische Filme kennt und auch schon einmal das Asia Filmfest besucht hat, weiß, dass Asiaten ihre ganz eigene Auffassung von Humor haben. Wer darüber hinweg sieht und nicht die Nadel Im Heuhaufen sucht erfreut sich dagegen an den epischen Bildern, diese sprechen ihre ganz eigene Sprache; immer neu dazu stoßende Charaktere halten den Zuseher bei der „Filmstange“.

Insgesamt gesehen: ein Potpourri, mit Anleihen aus Klassikern wie „Dr. Schiwago“, „Der „Englische Patient“ und „Schindlers Liste“.