VON RICHARD KEHL | 12.05.2010 10:49
UNI Kino: Robin Hood
Neuorientierung einer alten Legende: Statt eines x-ten Remakes setzt Regisseur Ridley Scott auf Neuorientierung und Erzählung der Vorgeschichte der bekannten Sherwood Forrest Legende von Robin Hood und trifft damit voll ins Schwarze.
Die Bedenken waren groß: Schon wieder eine Robin Hood Verfilmung. Was will man neu erzählen, das man noch nicht kennt? „Robin Hood – König der Diebe“ mit Kevin Costner in der Hauptrolle sorgte bereits für eine fulminante Neuverfilmung im Jahre 1991, die auch bereits parodiert wurde. Nach einer Parodie folgt in der Regel kein erneuter Aufguss. Aber das ist die Version von Ridley Scott (Alien, Gladiator etc.) mit Russel Crow und Kate Hudson in den Hautrollen auch gar nicht. Es erzählt vielmehr die Vorgeschichte des Bogenschützen Robin Longstride, Sohn eines Steinmetzes, der im Kreuzzug in König Richards Heer plündernd in Frankreich herumzieht, bis König Richard tödlich verwundet wird. Robin und ein paar Kameraden nutzen die Gelegenheit zur Fahnenflucht und Job-Neuorientierung. Sir Robert Loxley, der die Krone zurück nach England bringen sollte, wird mit seinen Mannen in einen Hinterhalt gelockt: Der Landesverräter Godfrey (Mark Strong) wurde vom französischen König Philip für die Ermordung des englischen Königs Richard beauftragt und erfährt beim Überfall auf den Stoßtrupp - unter der Führung von Sir Robert Loxley - dass dieser angeblich im Kampf gefallen sei.
Robin stößt zufällig hinzu, erbeutet die Krone, nimmt die Identität des ermordeten Robert Loxely an und lässt sich mit dem Schiff von Frankreich nach London übersetzen. Dort begegnet er erstmals Prinz John (Oscar Isaac), dem neuen König von England, und macht sich auf den Weg nach Nottingham, um ein Versprechen des verstorbenen Robert von Loxley einzulösen: Die Überbringung seines Schwertes an seinen Vater Walter Loxley (Max von Sydow). Dieser behandelt Robin fortan wie seinen eigenen Sohn und setzt ihn als Nachfolger seines ermordeten Sohnes ein. Seine verwitwete Schwiegertochter, Lady Marion (Kate Hudson) ist somit nun auch offizielle bzw. inoffizielle Gemahlin von Robin. Währenddessen verspricht der Verräter Godfrey, König John, enorme Steuereinnahmen und wird zum Schatzminister ernannt. Eigentlich will er damit Unruhe und Bürgerkrieg gegen John im Land schüren, um eine bevorstehende Invasion der Franzosen vorzubereiten. Allerdings hat er die Rechnung ohne Robin Longstride, den Rebellen und dem Adel gemacht, die gemeinsam gegen die Franzosen in die Schlacht ziehen.
Kritik: abendfüllender 140 Minuten langer Schwert- und Kostümfilm mit überzeugenden Hauptdarstellern in einer kurzweilig spannenden noch nicht so dagewesenen und erzählten Robin Hood Geschichte. Ein Genuss für Augen, Ohren, Sinne mit aufwendigen Kamerafahrten, epischen Schlachten und beeindruckenden Kulissen, das auch ohne 3-D Hype überzeugt.
Oscar Preisträger Russel Crow hat für die Rolle als Robin ordentlich abgespeckt um auch in Kettenhemd und Waldläufer-Outift eine nicht allzu korpulente Figur zu machen. Oscar Preisträgerin Kate Hudson, in der Rolle der Lady Marion, ist vielen Kritikern zum Trotz, ebenfalls hervorragend besetzt und zeigt in Ritterrüstung und Schwert überzeugend ihre maskulinen Seiten. Oscar Isaac als Prinz John erinnert phasenweise eher an einen jungen Silvester Stallone mit italienischen Wurzeln, statt eines englischen Königsohns, spielt die Rolle des egoistischen, zwielichtigen Thronfolgers ebenfalls überzeugend. Als „Unsympath“ wirkt dieser stellenweise sogar durch sein Handeln sympathisch, was allerdings durch die Launenhaftigkeit seines Charakters wieder schnell entkräftet wird.
Lediglich bei historischen Details wurde anscheinend mehr auf die künstlerische Interpretationsfreiheit statt historische Genauigkeit geachtet: Landungsschiffe der Franzosen erinnern mehr als an Landungsboote der Normandie der Alliierten während des Zweiten Weltkriegs, statt der damaligen Fregatten. Auch verwendete Landkarten sehen eher aus wie im Graphikprogramm zusammengebastelt und dann ausgedruckt als authentische altertümliche Dokumente.
-
UNI Kino: A Serious Man
Der skurrile Fall des Physik Professors Larry Gopnik
[...]»
-
UNI Kino: Ein ganz großer Traum
Der neue Film von Regisseur Sebastian Grobler zeigt die neuen Lehrmethoden eines ehemaligen Oxford-Studenten, Konrad Koch, der 1874 als Englischlehrer den Fußball von England ins Deutsche Kaiserreich importierte. Er schuf damit nicht nur neue Beziehungsstrukturen unter den Schülern, sondern musste auch gegen deutsche Zucht und Ordnung ankämpfen.
[...]»
-
UNI Kino: Amelia
Die indische Erfolgs-Regisseurin Mira Nair verfilmte mit einer Starbesetzung das relativ kurze, aber turbulente Leben der mutigen Luftfahrtpionierin und Feministin Amelia Earhart.
[...]»
-
UNI Kino: Goethe
Vom Jurastudent zum gefeierten Erfolgs-Literat
Regisseur Philip Stölzel (Nordwand) erzählt die Krise des jungen Wolfgang Goethe zu seiner Studienzeit in Wetzlar. Einer Zeit, in der er seinen literarischen Durchbruch mit dem fast autobiografischen Roman: „Die Leiden des jungen Werther“ 1774 schaffte.
[...]»
-
UNI Kino: Short Cut To Hollywood
Satire oder düstere Zukunftsvision - aktuell im Kino
[...]»
-
UNI Kino: 500 Days of Summer
Wenn aus Liebe Freundschaft wird
[...]»
-
UNI Kino: Inception - Traumhafte Leistungen
Dark Knight Regisseur, Visionär Chris Nolan, greift die Avatar-Idee neu auf, katapultiert diese in eine Traumwelt und entwickelt daraus sein ganz eigenes filmisches Labyrinth.
[...]»
-
UNI Kino: 2012
Roland Emmerichs kitschiger Weltuntergang nach Maya Prophezeiung
[...]»
-
Cineastische Botschaften im Hörsaal
So beeinflussen Filme und Serien den Unterricht von Professoren.
[...]»
-
UNI Kino:Enter The Void
Der umstrittene Filmemacher Gaspar Noé hebt in seinem neuen Film in eine andere Dimension ab: Er verlässt den menschlichen Körper, die Seele als unsichtbarer Dritter übernimmt die Funktion des Beobachters und die der Kameraeinstellung - bis zur Wiedergeburt.
[...]»