VON RICHARD KEHL | 15.12.2010 08:49
UNI Kino: 72 Stunden - Freiheitsberaubung auf Verdacht
Der neue Film von Regisseur Paul Haggis (L.A. Crash, Million Dollar Baby, Im Tal von Elah) befasst sich mit der Thematik: auf Verdacht hinter Gittern in Haft, verurteilt, verzweifelt und die Flucht aus dem Gefängnis. Auch in diesem Film bleibt Haggis dem Qualitätskino mit hohem Spannungspotenzial treu.
Nichts scheint die Familienidylle von Lara Brannan (Elisabeth Banks), ihrem Mann John (Russel Crowe) und ihrem gemeinsamen Sohn zu trügen, bis Lara eines Nachts überfallartig verhaftet und in Untersuchungshaft gesteckt wird - ihr wird Mord an ihrem Chef vorgeworfen. John läßt nichts unversucht, um seine Frau mit allen rechtlichen Mitteln aus der Haft zu befreien. Die Beweise und Indizien sprechen gegen sie, Lara wird zu 20 Jahren verurteilt. Lara's Selbstmordversuch in Haft veranlasst John, die Befreiung seiner Frau in die eigene Hand zu nehmen, ohne sie selbst davon in Kenntnis zu setzen. Als Lara zudem in ein anderes Gefängnis verlegt werden soll, bleibt ihm nur noch wenig Zeit zu handeln. Bei seinen Recherchen trifft John auf einen Ausbrecherkönig (Liam Neeson), gleichzeitig Autor eines Buches über die Flucht aus der Haft. Von ihm bekommt er erste hilfreiche Tipps und begibt sich dabei in ein kriminelles Milieu, um seine Frau Lara mit eigenen Mitteln aus dem Gefängnis zu holen. Auch die neue Bekanntschaft einer alleinerziehenden Mutter (Oliva Wilde), mit der er „anzubandeln“ droht, hindert John nicht bei seinem Vorhaben.
Schnell lernt er dabei die Spielregeln der Unterwelt mit all ihren Gefahren und Schattenseiten kennen. Auch von Seiten der Justiz bleibt er nicht lange unbeobachtet. Sein Plan droht zu scheitern, eine spannende Flucht mit ungeahnten Hindernissen nimmt ihren Weg.
Kritik:
Kaum ein anderer Regisseur versteht es, Emotionen und menschliche Schicksale so spannend und gekonnt in Szene zu setzen wie Paul Haggis. Zwar beginnt "72 Stunden" recht träge und wirkt auch stellenweise verkrampft, was nicht zuletzt am so gewollten Drehbuch liegt. Was im ersten Teil wie ein Familiendrama anfängt, entwickelt sich zum spannungsgeladenen Thriller. Schritt für Schritt rückt Haggis die Wahrheit schemenhaft ans Tageslicht, ohne dabei zu viel zu verraten oder die Spannung zu verlieren.
Hautnah läßt Paul Haggis den Kinobesucher das Schicksal der auseinandergerissenen Familie miterleben. Dabei macht Elisabeth Banks als Lara Brannan - auch als ungeschminkte Häftlings-Insassin - eine gute Figur und wirkt in ihrer Rolle recht glaubwürdig. Im Gegensatz zu ihren vorherigen typisch komödiantisch besetzten Rollen wirkt ihre Mimik regungslos, lethargisch und apathisch. Nicht umsonst zählt sie noch zu den Geheimtipps der Schauspielerinnen-Riege Hollywoods.
Bereits Superstarstatus besitzt der Australier Russel Crowe, dem die Rolle des nervösen und verzweifelten Antihelden mit buchhalterischem Kalkül auf den Leib geschrieben zu sein scheint. Die Angst im Gesicht und unter Dauer-Adrenalin stehend - man kann sich gut in seine Rolle und Gefühlszustand hineinversetzen. "72 Stunden" ist mit 133 Minuten Länge ein Film von Paul Haggis, der gar nicht lang genug sein kann, im Gegensatz zu anderen Kinostarts, die offenbar nur deswegen auf zwei Teile aufgebläht wurden, um Kasse zu machen.
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