VON JANINA TOTZAUER | 17.10.2016 14:07
Trainee: Berufseinstieg light
Große deutsche Unternehmen werben zunehmend mit ihren Trainee-Programmen und holen sich so junge Hochschulabsolventen und -absolventinnen in den Betrieb. Trainees werden - was der Name bereits verrät - förmlich in das Unternehmen eintrainiert und versprechen sich so eine garantierte Übernahme. Da solch ein Programm allerdings bisher keinen rechtlich verbindlichen Standards unterliegt, ist bei der Wahl auf einiges zu achten.
Angefangen hat alles in den 60er Jahren und einer kleinen, revolutionären Pille, die die Geburtenrate Deutschlands drastisch in den Keller sinken ließ. Seitdem fürchtet die Wirtschaft den lange prophezeiten Führungskräftemangel, der in den nächsten fünf bis zehn Jahren seinen Höhepunkt erreicht haben soll. Woher soll ein Betrieb also nehmen, wenn nicht stehlen: Eine häufig angewandte Variante, neue Führungskräfte zu finden, ist das Headhunting, also das Abwerben von Angestellten in Führungspositionen anderer Unternehmen. Da dies aber sehr kostenintensiv ist und nicht gerade von der Loyalität der neu Akquirierten zeugt, sind viele deutsche Unternehmen nun dazu übergegangen, sich ihre leitenden Angestellten selbst zu züchten: Trainees sind die Führungskräfte von Morgen.
Was ist ein Trainee?
Während man bei einem Direkteinsteig in einem Unternehmen oft ins kalte Wasser geworfen wird und von Anfang an viel Verantwortung übernehmen und selbstständig arbeiten muss, wird der Trainee in einem ein- bis zweijährigen Programm behutsam an seine spätere Führungsposition herangeführt.
Beim ‚Berufseinstieg light’ nimmt ein Mentor oder eine Mentorin die frisch Fertigstudierten bei der Hand und führt sie Schritt für Schritt durch die Abteilungen des Unternehmens. Theoretische Fortbildungskurse verknüpfen des Trainees Fachwissen aus dem Studium mit den Geschäftstaktiken des neuen Betriebes. Im Durchschnitt arbeitet sich ein Trainee so durch bis zu sechs verschiedene Abteilungen in einem Unternehmen, kann Kontakte knüpfen und die Struktur von Grund auf kennenlernen. Oftmals wird ein Aufenthalt in einem im Ausland befindlichen Zweig der Firma in den Ausbildungszeitraum integriert. Das Trainee-Programm hat dabei vor allem Vorteile für das Unternehmen: Der Trainee wird idealerweise zwei Jahre mit den Ideologien des Unternehmens herangezogen und hat so - laut der Jobbörse Absolventa - „die Führungskultur verinnerlicht“. Das Unternehmen bindet den Berufseinsteiger oder die Berufseinsteigerin an sich und verhindert das Abwerben durch andere Firmen.
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Ist das Trainee-Programm etwas für mich?
Da der Trainee zu Anfang einen weit gefächerten Einblick in das Unternehmen erhält, ist das Trainee-Dasein vielleicht eher etwas für generalistisch arbeitende Menschen, die nicht zu früh einen speziellen Karriereweg einschlagen wollen. Trainee-Programme werden von unzähligen Betrieben angeboten, unter ihnen zum Beispiel Siemens, die Deutsche Post, BMW oder Bayer. Vor der Bewerbung ist aber ein genauer Blick auf das Programm empfehlenswert. Da die Bezeichnung ‚Trainee‘ keinen arbeitsrechtlich, verbindlichen Bestimmungen unterliegt, ist es jedem Unternehmen selbst überlassen, wie es das Ausbildungsprogramm gestaltet. Hier variiert die Qualität enorm: Unternehmen bieten alles vom langweiligen, unterbezahlten Praktikums-Job bis hin zum interessanten Karrieresprungbrett mit überdurchschnittlichem Gehalt. Welche Betriebe
karrierefördernde und faire Trainee-Programme anbieten, hat 2012 die
Ludwig-Maximilians-Universität in München und die Jobbörse Absolventa mithilfe der Süddeutschen Zeitung recherchiert. Sie vergaben an 28 Wirtschaftsunternehmen das sogenannte ‚Trainee-Siegel‘, welches Bewerbenden ein ausgewogenes und forderndes Trainee-Programm garantiert.
Abschließend sei gesagt, dass ein Trainee zumeist um die
10% weniger verdient als Berufseinsteiger/-innen auf dem Direktweg. Laut einiger Unternehmen gleicht das Angebot an Fort- und Weiterbildung dieses Defizit an finanzieller Vergütung jedoch aus. Das Trainee-Programm dient jährlich vielen Studienabsolventen und -absolventinnen zum gekonnten Einstieg in die Arbeitswelt. Wer extrovertiert genug in das Programm startet und sich nicht von den vielen Abteilungswechseln und neuen Kontakten abschrecken lässt; wen die zarte Indoktrinierung der Unternehmensphilosophie und die enge Bindung zum Betrieb nicht stören, der wird beste Erfahrungen mit dem Trainee-Programm machen.
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