VON BENEDIKT GRADL | 25.04.2012 09:58
Der kugelsichere Armani
Es ist die klassische Geschichte á la „Vom Tellerwäscher zum Millionär“. Mit 10 geliehenen Dollar von seiner Mutter und einer genialen Geschäftsidee wurde Miguel Caballero zum berühmtesten kolumbianischen Schneider. Seine Kollektion ist mittlerweile in über 22 Ländern weltweit äußerst gefragt. Und das nicht etwa, weil sie besonders modisch oder ausgefallen wäre, sondern weil sich die Kunden 100% auf die Ware verlassen können. Dafür steht Caballero mit seinem Namen – und die Mitarbeiter mit ihrem Leben.
Denn der 39jährige Kolumbianer hat es sich zum Ziel gesetzt, schusssichere Kleidung salonfähig zu machen. Deshalb gibt es bei ihm neben der klassischen Schussweste auch kugelsichere Hemden, Westen, Jacken – ja sogar Krawatten. Der genaue Herstellungsvorgang ist zwar geheim, doch lassen sich die Endprodukte etwa so beschreiben: Die Kleidungsstücke schützen bis zu einem Angriff vom Kaliber einer Maschinenpistole, sind wesentlich leichter als herkömmliche Schutzwesten, bieten zudem einen weit höheren Tragekomfort und – und das ist das Besondere – sie unterscheiden sich auf den ersten Blick nicht von normaler, ungeschützter Kleidung.
Die Qualitätsprüfung erfolgt direkt im Betrieb: Caballero testet die fertigen Stücke an seinen eigenen Mitarbeitern. Das stärke das Vertrauen und die Identifikation mit der Firma, meint der Millionär, außerdem sollen die Mitarbeiter ein Gefühl dafür entwickeln, welche Verantwortung sie tragen, denn der kleinste Fehler kann ein Menschenleben bedeuten. Zudem sei der Versuch eine Art Aufnahmeritual - das müsse jeder durch.
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Auf die Idee, modische Schutzkleidung zu entwerfen, kam der heute 39jährige während seines Studiums des
Textildesigns und der Betriebswirtschaftslehre. An der gleichen Hochschule studierte auch die Tochter eines bekannten Senators, die ständig von zwei Bodyguards begleitet wurde. Caballero fiel auf, dass diese keine kugelsicheren Westen trugen. Auf seine Nachfrage, warum das so sei, erhielt er die Antwort: sie seien zu schwer und machten unbeweglich.
Damit war eine Marktlücke gefunden: leichte, flexible und zugleich schützende Kleidung. Mit 10 Dollar, die er sich von seiner Mutter lieh, kaufte sich Caballero eine gebrauchte Weste, wie sie bei der Polizei verwendet wird, studierte ihre Zusammensetzung und experimentierte mit verschiedenen Füllstoffen. Heraus kam eine Weste, die satte 1,2 Kilogramm weniger wog. Der „kugelsichere Armani“, wie Caballero in seiner Heimat Bogota gerne genannt wird, verkaufte sie an einen Wachmann – und sein Siegeszug begann. Das neueste Modell, das vor allem in unseren Breiten interessant werden könnte: eine
kugelsichere Lederhose.
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