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Stressfalle Projektarbeit

In Branchen mit viel Projektarbeit leiden Mitarbeiter verstärkt unter Stress und stressbedingten Krankheiten. Das haben Studien ergeben. Gegenmittel sind nicht leicht zu finden, aber manchmal zeigen kleine Änderungen große Wirkung.

Ein Beispiel: "Die letzten sechs Monate waren brutal, 80-Stunden-Wochen sind die Regel. Da ich in zwei verschiedenen Projekten gleichzeitig arbeiten musste, stand ich immer unter extremen Zeitdruck. Häufig wollten beide Projektleiter gleichzeitig etwas von mir", klagt Klaus K., 39 Jahre alter IT-Spezialist.

Projektarbeit führt schnell zu Überlastung

Klaus K. ist kein Einzelfall, wie erste Ergebnisse des Projekts DIWA-IT zur Gesundheitsprävention in der IT-Wirtschaft zeigen. "Viele Mitarbeiter der IT-Industrie haben die Grenzen ihrer Belastbarkeit erreicht, ihre Gesundheit hängt am seidenen Faden", sagt Dr. Andreas Boes vom Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung (ISF) München, der mit seinem Team im Rahmen von DIWA-IT zahlreiche Tiefeninterviews mit Beschäftigten in der IT-Industrie geführt hat.

"Ein prinzipielles Problem von Projektarbeit ist, dass Mitarbeiter das gesamte Projekt nicht überschauen können. Außerdem ist die Arbeit oft chaotisch verteilt. Mehrere Abgabetermine liegen in der gleichen Woche, so dass sich der Stress extrem konzentriert", erklärt Anja Gerlmaier vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen.

Die häufigsten Ursachen für Überforderung

Mehrbelastung und Zeitdruck sind laut Gerlmaier die am häufigsten genannten Ursachen für Überforderung bei Projektarbeit - unabhängig von der Branche. Ursachen sind oft widersprüchliche Zielvorgaben und Erwartungen, die durch unklare Aufgabenstellung und veränderte Kundenwünsche im Bearbeitungsprozess entstehen. Ein Beispiel: Kunden erteilen während der Arbeit am Projekt Zusatzaufträge, die ursprünglich vereinbarten Aufgaben müssen aber trotzdem termingerecht und ohne zusätzliche Kosten erfüllt werden.

Frustration entsteht auch, wenn die Projektmitarbeiter wegen des Termindrucks am Wochenende arbeiten müssen und ihre Familien kaum mehr sehen. "Man kann daher bei diesen Projekten von einer gleichzeitigen Verdichtung und zeitlichen Ausdehnung der Arbeit sprechen", betont IAQ-Arbeitsforscherin Anja Gerlmaier.

Um den Problemen zu begegnen, rät sie zu Kommunikationinnerhalb der Projektgruppen., die Schwierigkeiten der Mitarbeiter und Lösungsansätze an das Management weiterleiten sollten. "Wenn Angestellte Gestaltungsspielraum besitzen und Aufgaben auch delegieren können, sind sie motivierter und geraten seltener in die Stressfalle", sagt Anja Gerlmaier. Zudem rät sie Unternehmen, ihre Mitarbeiter besser auf die Rolle in Projekten vorzubereiten sowie Projektleiter-Tandems einzurichten, damit beim Ausfall Einzelner der Druck nicht weiter steigt.

Symptome erkennen: Die Stressampel

Um Mitarbeiter zu sensibilisieren, hat das IAQ die "Stressampel" entwickelt, die helfen soll, Stressfaktoren und Stresssymptome zu erkennen und einzuordnen.

Gelb (Stufe 1) steht für "erste Anzeichen von Stress" wie Unruhe, Gereiztheit oder erhöhtes Schlafbedürfnis samt muskulärer Verspannungen.

Rot (Stufe 2) steht für "Beginnende Erholungsunfähigkeit". Kennzeichen sind Nervosität, Tunnelblick, Schlafstörungen oder Konzentrationsprobleme. Körperliche Anzeichen sind Appetitlosigkeit, oft auch in Magen- und Darmleiden.

Rot (Stufe 3) steht für "Chronische Erschöpfung". In Stufe drei verschärfen sich die Versagensängste und Erschöpfungszustände und es kann zu Nervenzusammenbrüchen kommen, zu Tinnitus oder zu Herzbeklemmungen. In dieser Phase drohen Burn-out-Syndrome und sogar Depressionen.

Kleine Pausen, große Wirkung

Experten sind überzeugt, dass oft schon eine andere Pausenkultur helfen kann. Das IAQ hat dazu ein Präventionsprojekt in Unternehmen durchgeführt. Mitarbeiter sollten innerhalb ihres Teams Wege finden, regelmäßig kleinere Ruhezeiten einzulegen und gemeinsam in die Mittagspause zu gehen. "Wichtig ist, dass alle Mitarbeiter und vor allem die Vorgesetzten diese Pausen unterstützen. Gut ist es auch, wenn die Teammitglieder die Möglichkeit haben, sich gemeinsam etwa beim Dart oder am Kicker zu entspannen. Optimal wäre es, wenn auch der Projektleiter die Pausen einhält oder als Zeichen auch mit zum Mittagessen geht", erläutert Anja Gerlmaier.

Neben einer neuen Leistungs- und Pausenkultur rät Gerlmaier zu Entspannungsübungen und vor allem Ausdauersport wie Joggen, Schwimmen oder Rad fahren. "Stress treibt den Adrenalinspiegel hoch. Um diesen wieder abzubauen, ist Sport sehr nützlich."

VON Jürgen Mauerer MONSTER.DE

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