VON RICHARD KEHL | 16.07.2010 12:46
Clärenore Stinnes - Eine abenteuerlustige Frau geht an ihre Leistungsgrenzen
Sie war wohlhabend, Tochter eines Industriebarons, ungebunden und abenteuerlustig. Von 1927-1929 machte sich Clärenore Stinnes mit einem vollgepackten Adler Standard 6 auf, die Welt zu umrunden. Ein Stoff, der jetzt mit Regisseurin Erica von Möller als Dokumentarspielfilm neu produziert wurde.
Clärenore Stinnes war eine weitere Pionierin der Gleichberechtigung Anfang des 20. Jahrhunderts. Ihr Vater, der überraschend mit 54 Jahren verstarb hinterließ einen Stahlkonzern und lernte seiner Tochter sich früh in der Männerwelt zu behaupten. Ihre beiden Brüder veräußerten den Konzern und drängten sie aus dem Geschäft. Mit 18 Jahren machte Clärenore Stinnes ihren Führerschein, in einer Zeit, in der noch Kutschen, statt Automobile das Straßenbild beherrschten und entdeckte somit recht früh ihre Leidenschaft zum Motorsport. Mit 23 Jahren, das Jahr in dem ihr Vater verstarb, fuhr Clärenore Stinnes unter einem Pseudonym ihre erste Rally - 17 Rennen hat sie von 1925-1927 gewonnen.
Doch das hat Clärenore Stinnes, "der Frau aus Stahl", anscheinend nicht ausgereicht: 1927 beschloss sie mit einem Adler Standard 6, die Welt zu umrunden und auf Film zu dokumentieren. Endlos lange Wüsten, matschige Wege, schneebedeckte Gebirgs-Pässe, schwieriges Gelände, fremde Länder, sengende Hitze, klirrende Kälter, strömender Regen, freundlich aber auch feindlich gesinnte Menschen warteten auf sie und dem Adler Standard 6 in ihrem bevorstehenden Abenteuer. Begleitet wurde sie vom schwedischen Fotograf und Kameramann, Carl-Axel Söderström, der Clärenore Stinnes wohl öfters auf der Reise ins Unbekannte verfluchte, aber nach der Rückkehr auch ehelichte.
Am 25. Mai 1927 startet sie mit dem Alder Standard 6 und ihrem kleinen Team in Frankfurt am Main zu der Expedition durch 23 Länder. Am 24. Juni 1929 endete die Odyssee mit der Ankunft in Berlin. 48.000 Kilometer, alle Klimazonen der Erde und zahlreiche Krisengebiete lagen vor ihnen - keine Schwierigkeit, keine nur denkbare Panne blieb ihnen und dem Adler Standard 6 erspart. Die Beiden gingen durch Dick und Dünn, erlebten viele lebensgefährliche aber auch schöne Momente.
Mit einer Mischung aus dem Orginalfilm-Material, welches 1931 in deutschen Kinos gezeigt wurde verfilmte Regisseurin Erica von Möller den Stoff mit unbekannten Jungschauspieleren (Sandra Hüller und Bjarne Henriksen) neu und inszenierte das Abenteuer unter ähnlichen Bedingungen wie 1927. Die größte Herausforderung bestand darin ein adäquates Fahrzeug zu finden. Adler war eines der ersten und größten Automobilwerke auf der Welt mit Fließbandproduktion. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand der Konzern und die Marke Adler. Woher einen Adler Standard 6 bekommen? Sammler und Autoliebhaber im Besitz eines Adler Standard 6, winkten beim Blick ins Drehbuch ab. Fündig wurde man im Osten. Hier hat ein ehemaliger Besitzer seinen Adler Standard 6 aus Angst vor den Besatzern im Zweiten Weltkrieg vergraben. Das Adler Standard 6 wurde kurzerhand ausgegraben, restauriert und neues Leben eingehaucht. Beim Dreh selbst wurden alle Pannen neu nachgespielt und etliche neue kamen hinzu. Eine improvisatorische Meisterleistung wurde vom Filmteam abverlangt und letztendlich auch gemeistert. Der fertige Film ist eine 90 Minuten lange Mischung aus Dokumentation und Spielfilm über eine der wohl ungewöhnlichsten Liebesgeschichten der Welt.
Nach der Weltumrundung zog Clärenore Stinnes mit ihrem Mann nach Schweden und führte dort ein glückliches Leben auf dem Bauernhof bis sie 1990 verstarb – 14 Jahre nach dem Ableben ihres geliebten Ehemannes. Clärenore Stinnes: eine abenteuerlustige Frau, die an ihre und andere Leute Leistungsgrenzen ging.
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Clärenore Stinnes - Eine abenteuerlustige Frau geht an ihre Leistungsgrenzen
Sie war wohlhabend, Tochter eines Industriebarons, ungebunden und abenteuerlustig. Von 1927-1929 machte sich Clärenore Stinnes mit einem vollgepackten Adler Standard 6 auf, die Welt zu umrunden. Ein Stoff, der jetzt mit Regisseurin Erica von Möller als Dokumentarspielfilm neu produziert wurde.
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