VON CLEMENS POKORNY | 27.02.2014 15:42

Umsonst ist nur der Tod?

Ihre letzte Reise wollen viele Menschen sehr persönlich gestaltet wissen. Nicht nur, weil konventionelle Begräbnisse oft 10.000 Euro oder mehr kosten, wünschen sich viele auf besondere Art bestattet zu werden.

Jeden Tag sterben in Deutschland 2.000 Menschen, und angesichts der Bevölkerungsstruktur wird diese Zahl noch mindestens ein halbes Jahrhundert lang steigen. Schon jetzt machen Bestattungsunternehmen gute Geschäfte. Sie nutzen die emotionale Ausnahmesituation und den Zeitdruck, unter dem Angehörige stehen, allzu oft aus, um ihren Kunden teure Extras anzudrehen – zum Beispiel nach dem Motto: „Das sollte Ihnen ihr Vater eigentlich wert sein“. Wer nach dem Beratungsgespräch auf einem Kostenvoranschlag besteht, vermeidet Zusatzkosten, die manchmal erst im Nachhinein wahrgenommen werden. Doch natürlich muss die Erfüllung der Wünsche des Verstorbenen Vorrang haben. Damit die letzte Reise so verläuft wie erhofft und geplant, sollte man rechtzeitig mit seinen Lieben darüber sprechen. Beispielsweise können die voraussichtlichen Bestattungskosten vorab beiseite gelegt oder angespart werden; im Todesfall können dann vor Berechnung der Erbschaftssteuer pauschal 10.300 Euro (nötigenfalls auch mehr) zur Bezahlung des Begräbnisses von der zu vererbenden Summe abgezogen werden. Übrigens übersteigen die Friedhofsgebühren bei einer einfachen Bestattung (um 2.000 Euro) die Kosten für das Bestattungsunternehmen. Besonders günstige Begräbnisse bieten kommunale Bestatter an. Am billigsten dürfte es sein, seinen Körper nach dem Tod einem anatomischen Institut zu Lehr- und Forschungszwecken zu überlassen (Körperspende), bevor dieser dann eingeäschert und anonym bestattet wird.

Eine kurze Geschichte des Geldes

Wer aber auf Individualität Wert legt, dem bieten sich heute neben traditionellen Bestattungsarten wie der Beerdigung, Gruftbeisetzung und den verschiedenen Feuerbestattungsarten wie z.B. der Seebestattung viele weitere Möglichkeiten, vorausgesetzt, sie sind mit dem Friedhofszwang vereinbar oder davon ausgenommen (da das Bestattungsrecht Ländersache ist, variieren die genauen Bestimmungen). So kann Asche mittlerweile sogar im Weltraum beigesetzt oder zu einem künstlichen Diamanten gepresst werden, den ein Angehöriger des Verstorbenen dann z.B. in einem Ring am Finger trägt. Greenpeace und BUND empfehlen die Baumbestattung: In einem FriedWald des gleichnamigen Unternehmens werden biologisch abbaubare Urnen am Fuß eines Baumes beigesetzt; die Kosten bleiben nicht nur aufgrund der entfallenden Grabpflege gering. In Schweden ist schließlich mittlerweile eine neuartige Bestattungsmethode etabliert: die Promession, sozusagen eine Gefriertrocknung. Dabei wird die minus 18 Grad kalte Leiche in einem Bad in minus 196 Grad kaltem Stickstoff schockgefrostet und zerfällt dann bereits durch leichte Vibrationen in millimetergroße Splitter, die nach Trocknung und Reinigung zusammen nur noch 30 Kilogramm wiegen und in einem biologisch abbaubaren Sarg bestattet werden. In Deutschland wurde die Promession bisher noch nicht zugelassen. Und noch etwas unterscheidet das schwedische von den 16 deutschen Bestattungsrechten: Dort zahlen alle Bürger eine Begräbnissteuer, aus der die Pflege des Friedhofs von staatlicher Seite bestritten wird. Insgesamt dürften Bestattungen in Schweden durchschnittlich billiger sein als bei uns, doch hier wie dort und – von Naturvölkern abgesehen – überall gilt: Umsonst ist nicht einmal der Tod. Weitere hilfreiche Informationen finden Sie ebenfalls hier: Checkliste im Todesfall