VON MELANIE KLÄGER | 18.05.2012 14:33
Die Macht der Wenigen – Ratingagenturen
Drei Ratingagenturen, Moody´s, Fitch Ratings und Standard and Poor´s haben momentan das Alleinmonopol zur Bewertung der Kreditwürdigkeit von Unternehmen und Staaten. Welche Konsequenzen bringt diese Alleinherrschaft mit sich und welche Alternativen für Europa sind möglich?
Unter Ratingagenturen werden private, gewinnorientierte Unternehmen verstanden, die gewerbsmäßig die Bonität von Unternehmen, Staaten und ihren Gebietskörperschaften bewerten. Bewertet wird nach einem Ratingcode von AAA (hohe Kreditwürdigkeit) bis D (nicht rückzahlungsfähig). Durch dieses System wird Investoren eine Orientierung gegeben und macht es Schuldnern dementsprechend schwer oder leicht sich Geld zu leihen.
Entstanden sind die Ratingagenturen im Zuge des Ausbaus der Eisenbahnlinien in der USA. Da die Banken die Kredite nicht alleine schultern konnten, begannen Unternehmen mit der Ausgabe von Anleihen. Um für die Investoren hierfür Sicherheiten zu schaffen begann John Moody ein systematisches Rating der Eisenbahngesellschaften zu entwerfen.
Doch durch die Immobilienkrise in den USA sind die drei großen Ratingagenturen schwer in Kritik geraten, da sie hochriskante Papiere zu lange als sichere Anlagen einstuften und ihnen dadurch zumindest eine Mitschuld an der Krise gegeben werden konnte. Diese Fehleinschätzungen hingen und hängen auch heute noch damit zusammen, dass die in Auftrag gegebenen Ratings teilweise von den Firmen und auch Staaten selbst bezahlt werden.
Zudem ist das Bewertungssystem selbst wenig transparent, da die Agenturen wenig Auskunft darüber geben, nach welchen Kriterien die Bewertung genau erfolgt.
Macht vs. Gemeinwohl
der Lobbyismus in Deutschland besitzt mehr Macht, als man auf den ersten Blick wahrnimmt.
[...]»
Doch die großen Ratingagenturen trugen nicht nur zur US-Immobilienkrise bei, sondern nahmen durch die Herabstufung vieler
Euro-Länder auch Einfluss auf die europäische Finanzkrise.
Um dieser Vorherrschaft der amerikanischen Agenturen entgegenzuwirken, wurde als Gegenpol ein Modell einer europäischen Ratingagentur entworfen. Der entscheidende Unterschied hierbei ist, dass die Investoren für die Ratings zahlen sollen und nicht mehr die zu bewertenden Unternehmen oder Staaten. Somit ist kein Anreiz mehr vorhanden, durch gute Noten weitere Aufträge zu sichern. Die europäische Ratingagentur soll auch nicht gewinnorientiert arbeiten, sondern stattdessen als Stiftungsmodell fungieren. In diesem Punkt liegt auch das aktuelle Problem: Es fehlen Investoren, die bereit sind in dieses Projekt zu investieren. Von den angesetzten 300 Millionen Startkapital sind momentan etwa
130 Millionen vorhanden. Diese sollen nun ausreichen um einen Start noch in diesem Jahr zu ermöglichen.
Ratingagenturen bewegen sich immer auf einem schmalen Grat zwischen Gewinnorientierung und objektiver Bewertung. Ob die neue europäische Agentur diesen Widerspruch auflösen kann, wird die nahe Zukunft zeigen.
-
Die Eiserne Mauer - Israel im Nahen Osten
Seit 2003 trennt eine fast 800 Kilometer lange Sperranlage das Westjordanland vom Rest Israels ab – die „Eiserne Mauer“. Sie verstößt gegen das Völkerrecht und hat den Friedensprozess in Nahost weiter erschwert. Tatsächlich übergeht Israel seit Jahrzehnten die Rechte der Palästinenser und schafft dabei Fakten. Vordergründig dient der Zaun der Abwehr von Terroranschlägen. Doch obwohl dieser Effekt erwiesen ist, zeigt ein Blick in die Geschichte Israels, dass es um viel mehr geht.
[...]»
-
Creative Commons - Lizenz zur freien Kreativität?
Creative Commons ist eine Non-Profit Organisation, die vorgefertigte Lizenzverträge für die Verbreitung digitaler Medieninhalte bereitstellt. Das Konzept will eine flexible Alternative für die rechtlichen Situation der Künstler im Netz anbieten und dadurch die Kreativität fördern. Aber wie funktioniert das wirklich?
[...]»
-
Rundfunk-Staatsvertrag: Von Gängelung bis zur Zensur
Oft ist es gerade das Stilmittel der Widersprüche, das Romane nicht nur gut lesbar, sondern auch unmittelbar einsichtig und somit (wie etwa im Falle von George Orwells „1984) zu einem Bestseller machen. Stärkstes Beweismittel ist Orwells Beschreibung der Regierungsstruktur in Ozeanien, dem Handlungsort des Romans, für die der Autor eindrucksvoll mit Gegensätzen spielt: Das Friedensministerium kümmert sich um die Kriegsführung, das Ministerium für Überfluss bearbeitet Rationierungen. Im Ministerium für Liebe werden Menschen gefoltert und im Wahrheitsministerium die Realität so lange verbogen und verzerrt, bis sie ein für die Führungsriege positives Bild der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zeichnet – sei es im Alltag oder in den Geschichtsbüchern. Lesern läuft es bei solcher staatlicher Einflussnahme kalt den Rücken herunter. Vor allem an Medien richtet sich ein unangefochtener Wahrheits- und Unabhängigkeitsanspruch. Inwiefern gerade letzterer in Deutschland tatsächlich gegeben ist, darüber diskutieren gerade die Bundesverfassungsrichter in Karlsruhe.
[...]»
-
Predictive Policing und Racial Profiling – Wie funktioniert die Polizeiarbeit von Morgen?
Es klingt wie die Zukunft der Polizeiarbeit: „Predictive Policing“, die Möglichkeit, Straftaten zu verhindern, bevor sie überhaupt entstehen. Mit Hilfe von entsprechender Analysesoftware ist diese Zukunftsvision jedoch bereits heute möglich. Dazu werden oft auch sensible personenbezogene Daten verwendet, wofür größtenteils noch die Rechtsgrundlage fehlt. Kritiker halten nichts vom „Predictive Policing“ oder anderen Methoden wie dem „Racial Profiling“, das ähnlich funktioniert. UNI.DE über die Hintergründe.
[...]»
-
Beitrittszahlen lassen Parteien Hoffnung schöpfen – Das Ende der Parteiverdrossenheit?
Eine 2013 veröffentlichte Studie lässt die deutschen Parteien Hoffnung schöpfen: Für die großen Volksparteien CDU und SPD geht der Mitgliederschwund leicht zurück, andere Parteien konnten sogar steigende Mitgliederzahlen vorweisen. Dennoch ist die Lage noch nicht ideal. Nur etwa 1,8 Prozent aller Beitrittsberechtigten sind tatsächlich Mitglieder einer politischen Partei. Einen Grund dafür sehen manche Experten im Durchschnittsalter der Mitglieder.
[...]»
-
Ist die globale Abrüstung gescheitert? – Die NVV-Überprüfungskonferenz in New York
Vom 27. April bis zum 22. Mai fand in diesem Jahr in New York wieder eine Überprüfungskonferenz zum Vertrag über die Nichtverbreitung von Kernwaffen (NVV) statt. Der 1970 geschlossene Vertrag, der mittlerweile von fast 200 unterzeichnet wurde, soll alle teilnehmenden Nationen in die Pflicht nehmen, Atomwaffen schrittweise abzuschaffen. Kritische Stimmen halten diese Ziele nun allerdings für weitreichend gescheitert, vor allem aufgrund der aktuellen Bemühungen der zwei größten Atomstaaten USA und Russland, ihre bestehenden Waffensysteme zu modernisieren. Sind wir von einer atomwaffenfreien Welt weiter entfernt, als je zuvor?
[...]»
-
Die GEZ – Reform und Geschichte
Seit Anfang dieses Jahres wird nun jeder Haushalt zur Kasse gebeten: Egal wie viele Mediengeräte ein Haushalt besitzt, es muss ein Pauschalbeitrag in Höhe von 17,98 Euro gezahlt werden. Es wird also nicht mehr nach der Anzahl der Geräte abgerechnet, wie es früher war, sondern pro Haushalt. Selbst wenn dieser überhaupt keine Radio- oder Fernsehgeräte besitzt. Kann das gerecht sein?
[...]»
-
Lobbyismus – Macht und Gemeinwohl
Der Lobbyismus in Deutschland besitzt mehr Macht, als man auf den ersten Blick wahrnimmt. Lobbyisten wichtiger Konzerne der Wirtschaft haben direkten Einfluss auf die Politik und gestalten sie aktiv mit. Doch was genau verbirgt sich hinter dem Begriff Lobbyismus und welche positiven Seiten bringt Lobbyarbeit mit sich?
[...]»
-
GEMA - Zeit für eine Reform?
Die wohl legendärste Chilloutsendung des öffentlich-rechtlichen Fernsehen im Nachtprogramm des Bayerischen Rundfunks wurde trotz großer Beliebtheit am 07. Januar 2013 eingestellt. Grund für das Aus der „Space Night“-Sendung waren die neuen GEMA-Tarife, die in den letzten Monaten immer wieder für Aufregung unter Kunstschaffenden und den Konsumenten gesorgt hatte. Der Tarif für Fernsehsendungen mit Musikbegleitung wurde umgestellt - anstatt einer bisherigen Pauschale wird nun nach dem tatsächlichen Musikanteil der Sendung berechnet. Doch nicht nur das Fernsehen hat Mehrkosten infolge der neuen GEMA-Tarife zu befürchten, auch YouTube und Co. liefern sich derzeit unerbittliche Kämpfe, wenn es um die Verwertung der Musikrechte geht.
[...]»
-
Patentierte Welt – Das Geschäft mit dem Allgemeingut Leben
Schallplatten aus Schokolade, ein Helm mit integrierter Pistole, eine Spaghettigabel mit drehbarem Antrieb – an kuriosen Patenten herrschte noch nie ein Mangel. Weniger unterhaltsam als die eben gebrachten Beispiele sind die Patente, gegen die Greenpeace zusammen mit anderen Verbänden seit nunmehr 15 Jahren protestiert: Es geht um Patente auf Schweinegene, auf Hühnerfutter und Brokkoli-Saatgut. Kurz: Es geht um Patente auf Leben. Und um den Versuch großer Lebensmittelkonzerne, mit unseren Grundnahrungsmitteln ein Milliardengeschäft zu machen – auf Kosten regionaler Landwirte und nicht zuletzt auf Kosten der Verbraucher.
[...]»