VON FLORIAN WIECKERT | 13.11.2012 14:00

Studentenkrankheit Prüfungsangst

Fast jeder hat schon einmal unter Prüfungsangst gelitten, manche quält sie gar regelmäßig. Was passiert in uns, wenn wir vor einer Prüfung stehen oder schon mittendrin sind, woher kommt die Angst und wie lässt sie sich bekämpfen?

Das Herz rast, der Schweiß bricht aus, du hörst dein Blut im Ohr pulsieren: Angst kennen wir alle – und viele leider auch aus der Zeit unmittelbar vor und während einer Prüfung. Solange sie sich in Grenzen hält, steigert sie unsere Leistungsfähigkeit sogar: Konzentration, Aufmerksamkeit und Energie nehmen aufgrund stärkerer Durchblutung des Gehirns und damit seiner besseren Versorgung mit Sauerstoff sowie der verstärkten Ausschüttung der leistungsfördernden Hormone Adrenalin und Kortison zu. Doch wenn ein bestimmtes, individuelles Maß an Angst überschritten wird, sinken die Leistungswerte dramatisch ab, weil negative Gedanken uns beherrschen. Je nachdem, ob der Sympathikus oder der Parasympathikus dominieren, nehmen Unruhe, Schlaflosigkeit und Verstopfungen oder Müdigkeit, Schwindel und Appetitlosigkeit zu. Was kann man dagegen tun?

Nur in den selten pathologischen Fällen ist es nötig, sich an einen Psychologen zu wenden. Dieser kann zum Beispiel mit Verhaltenstherapien oder Hypnose die Prüfungsangst wirksam behandeln, indem er sie an ihren Wurzeln packt (traumatische Versagenserlebnisse insbesondere in der Kindheit, Neurosen oder andere Störungen des Selbstbildes). Oft ist sie erlernt – und kann daher ebenso wieder verlernt werden. Den meisten hilft aber bereits Emotionsregulierung, also Bekämpfung der negativen Gedanken durch positive: Wenn ich die Prüfung nicht bestehe, kann ich sie wiederholen! Wenn ich nach dem Bewerbungsgespräch die Stelle nicht bekomme, versuche ich mein Glück bei den vielen anderen Firmen, die ich ins Auge gefasst habe! Bei akuter Prüfungsangst atmen wir unwillkürlich schneller und flacher – bewusste, tiefe und langsame Bauchatmung beruhigt uns. Und wenn das nicht reicht, kann die Anspannung durch Bewegung abgebaut werden, denn Angst ist evolutionär betrachtet ein Fluchtimpuls. Darüber hinaus helfen Entspannungstechniken wie Autogenes Training oder Progressive Muskelrelaxation sowie eine besonders angenehme Übung, nämlich Sex: Dabei wird nämlich das Hormon Oxytocin ausgeschüttet, dessen entspannende Wirkung noch am Tag danach messbar ist.

Zeitmanagement

Hat die Prüfungsangst ihre berechtigte Begründung darin, dass zu viel Lernstoff in zu wenig Zeit ansteht, kann es sinnvoll sein, sich einen Lernplan zu erstellen. Dazu eruiert man den Umfang der anstehenden Arbeit und teilt sich diese auf die zur Verfügung stehende Zeit auf. Dabei ist der individuelle Lernrhythmus zu berücksichtigen (bin ich Frühaufsteher oder Nachtmensch, zu welcher Tageszeit lerne ich am besten?), Lernblöcke sollten nicht mehr als drei Stunden am Stück umfassen, und in längerfristig angelegte Zeitpläne sollten auch Puffer für unerwartete Ereignisse eingebaut werden. Dann müssen die To-Do-Listen zwar nicht zwingend immer genau wie vorgegeben, aber insgesamt doch mit der nötigen Disziplin nur noch abgearbeitet werden. So besteht man nicht nur Prüfungen, sondern kann überhaupt berufliche Erfolge erzielen – Millardäre wie Warren Buffet schwören darauf.

In der Zeit vor einer Prüfung sollte man schließlich „Panikmacher“ im Bekanntenkreis meiden. Wer Lernstoff richtig memoriert, beugt schon dadurch Prüfungsangst wirksam vor. Weitere Informationen und Hilfe zur Selbsthilfe bieten Psychologen auch im Internet.