VON ALEXANDER STIEHLE | 15.03.2012 14:22
Facebook-Persönlichkeit
Seit 2004 kann Facebook genutzt werden. Anfangs sollte das Netzwerk von Marc Zuckerberg nur Studenten unterschiedlicher Hochschulen miteinander verbinden, ab 2006 war es dann für jedermann zugänglich. 2011 zählte Facebook 580 Millionen Benutzer.
Über eine halbe Milliarde Menschen präsentieren sich also im Internet. Dabei unterscheiden sich die Webprofile manchmal so stark voneinander wie die Charaktere der Personen, die dahinterstehen. Doch inwieweit beeinflusst die jeweilige Persönlichkeit unsere Profilseite? Beeinflussen Profilseiten auch unsere Wahrnehmung von anderen Menschen?
Hier ein paar interessante Fakten:
Persönlichkeit und Profil hängen zusammen
Mitja Back von der Johannes Gutenberg Universität in Mainz bewies das mit seiner Studie. Er analysierte mit Kollegen 236 deutsche und amerikanische Studenten. Die Wissenschaftler charakterisierten die Studenten anhand von fünf Merkmalen: Neurotizismus, Extraversion, Offenheit, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit. Anschließend sollten unabhängige Personen die Onlineauftritte der Studenten einschätzen. Ergebnis: Diese Einschätzung und die Charakterisierung der Wissenschaftler stimmten in vielen Punkten überein.
Zu viele, zu wenige Freunde - beides macht unattraktiv
2008 wurde eine Studie von Stephanie Tom Tong an der Michigan State Universität durchgeführt. 132 Studenten schauten sich konstruierte Facebook-Profile, mit jeweils unterschiedlicher Anzahl an Freunden an, und bewerteten diese. Die Anzahl der Freunde variierte zwischen 102 bis 902. Die Probanden sollten dann angeben, wie attraktiv sie das jeweilige Facebook-Profil fanden. Am ansprechendsten war das Profil mit 302 Freunden. Was darüber oder darunter lag, wurde als unattraktiver empfunden.
Schöne Freunde färben ab
In einer weiteren Studie der Michigan State Universität sollten 389 Freiwillige die Profile von Fremden bewerten. Auf diesen Profilen haben mal attraktive, mal weniger attraktive Personen Pinnwandeinträge hinterlassen. Profile im ersten Fall wurden von den Testern als deutlich anziehender bewertet.
Narzissmus
Dr. Laura Buffardi verglich das Profil von narzisstischen Persönlichkeiten mit dem von unauffälligen Usern: Narzissten haben mehr Freunde auf Facebook, mehr Einträge und attraktivere Fotos. Auch Versuchspersonen gelang es meistens den Narzissten zu erkennen.
Facebook - multiple Persönlichkeit
Besonders Großstädter neigen dazu, mehrere Profile auf Facebook zu betreiben. Grund? Je nach dem welcher Person man sich präsentieren will, ist ein anderes Profil von Nöten. Dann gibt es ein Profil für den Chef, Eltern, Freunde etc. Der Chef oder die Eltern sollten immerhin nicht mitbekommen, dass die letzte Feiernacht etwas aus dem Ruder gelaufen ist. Die Freunde hingegen können es ruhig erfahren. Spitzenreiter ist Tampa in den USA, dort hat jeder 3,25 Profile.
Facebook und andere soziale Netzwerke üben einen starken Reiz auf unsere Gesellschaft aus. Viele haben Hemmungen Menschen auf offener Straße anzusprechen, in Facebook fällt das einem viel leichter. Außerdem kann sich jeder präsentieren, wie er will. Wie authentisch das Profil in Wirklichkeit ist, bleibt jedem selbst überlassen.
Überraschend: Menschen, die sich sozialen Netzwerken verweigern, gelten als glücklicher. Über die philosophische Frage „was ist Glück“, lässt sich jedoch auch viel streiten.
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