VON JASCHA SCHULZ | 20.09.2015 13:18

Studium Lichtdesign – Die Meister des Lichts

Licht studieren? Ja, das geht tatsächlich. Der Beruf des „Lighting Designers“ ist mittlerweile sehr gefragt in Deutschland. Die professionelle Lichtgestaltung verabschiedet sich von rein technischen Aspekten der Beleuchtung. Das kreative Wechselspiel zwischen Licht und Raum und die Bedeutung einer ansprechenden Beleuchtung für das menschliche Wohlbefinden stehen im Vordergrund. Wo aber kann Lichtdesign studiert werden und was sind die Inhalte eines solchen Studiums? UNI.DE hat sich informiert.


Wenn es um Licht geht, sind die meisten Leute praktisch veranlagt. Es muss vor allem da sein. Licht soll einen Teil dazu beitragen, den Alltag bewältigen zu können. Wenn die Beleuchtung mal ausfällt ist das ärgerlich. Ansonsten verschwendet man zumeist keine weiteren Gedanken an Licht. Es gilt als etwas Selbstverständliches.

Im Theater ist man über den rein technischen Aspekt der Beleuchtung mittlerweile hinaus. Hier ist die Lichtgestaltung ein fester Bestandteil der Inszenierung. Künstlerische Motive und Aussagen werden von gezielt eingesetzten Lichtarrangements unterstützt.

Aber auch bezüglich Bürokomplexen, öffentlichen Einrichtungen und Privatgebäuden wird der Nutzen eines kreativen Lichtdesigns immer häufiger erkannt. Die Bedeutung einer ansprechenden Beleuchtung, die auf die verschiedenen Komponenten einer Architektur reagiert, rückt immer stärker in den Fokus. Mittlerweile gibt es deshalb zahlreiche Lichtplanungs- und Lichtgestaltungsbüros in Deutschland. Diese können zum Beispiel rein technische Beleuchtungskonzepte im Nachhinein aufpeppen. Auch Ingenieurbüros beschäftigen heutzutage Spezialisten, die die gestalterischen Aspekte des Lichts bereits in die Planung eines Gebäudes miteinbeziehen.

„Studieren und kassieren“ - Begrüßungsgeld für Studierende

Wie aber wird man professioneller Lichtgestalter oder Lighting Designer?

In Deutschland gibt es seit ein paar Jahren die Möglichkeit, ein ‚Lichtstudium‘ zu absolvieren. Vor allem die Hochschule Wismar nimmt diesbezüglich eine Voreiterrolle ein. Als Präsenzstudiengang kann man hier den Master „Architectural Lighting Design“ belegen. Im ersten Studienjahr wird den Studierenden vermittelt, welche Möglichkeiten es gibt, die Lichtverhältnisse eines Raums durch Form, Farbe und Materialwahl zu beeinflussen. Das Hauptaugenmerk liegt hier auf den ästhetischen und den psychischen Wirkungen, die ein bestimmtes Lichtarrangement erzeugt. Im dritten Semester ist ein Auslandssemester vorgesehen, bevor es dann im vierten Semester an die Masterarbeit geht.

Des Weiteren bietet die Hochschule auch ein Fernstudium an, den Master „Lighting Design – Architectural Lighting and Design Management.“ Im Gegensatz zum Präsenz-Master vermittelt dieser Studiengang keine Grundlagen des Lichtdesigns, sondern richtet sich an sogenannte ‚Professionals‘, die ihre Kenntnisse spezifizieren möchten. Der Studiengangsleiter Thomas Römhild ist besonders stolz auf diese, seiner Ansicht nach, „einzigartige Kombination aus Lichtdesign und Management“. Der Vorteil dieses Masters ist seine Internationalität: Während des Studiums sind Workshops an den Partneruniversitäten in Berlin und Bangkok vorgehsehen. Der englischsprachige Studiengang kombiniert Lehrinhalte wie die Planungspraxis bei der Architekturbeleuchtung mit Designmanagement. Römhild ist überzeugt, dass diese Mischung den Studierenden später auf dem Arbeitsmarkt einen Vorteil verschaffen wird. Diese seien später zum Beispiel in der Lage, einer Hotelkette durch professionelle und kreative Lichtgestaltung ein Alleinstellungsmerkmal zu geben, welches die Kette als Marke etablieren kann. Auch in anderen Bereichen sieht er eine große Nachfrage für angehende Lighting Designer, zum Beispiel im Gesundheitssektor. Die gesundheitsfördernde Wirkung einer entspannenden oder beruhigenden Lichtatmosphäre erhalte eine immer größere Bedeutung.

Auch an der TU München kann seit dem Wintersemester 2013 ein zweijähriger Masterstudiengang „Lichtplanung und Lichtgestaltung“ absolviert werden. Der von der Architekturfakultät angebotene Studiengang soll ebenfalls die Verbindung von Lichtgestaltung und Architektur vermitteln. Die Studienverantwortlichen heben vor allem die hohe Vernetzung des Studiengangs mit der Industrie sowie mit dem Kunst- und Kultursektor hervor. Ein Partner der TUM innerhalb des Studiengangs ist etwa die renommierte Filmhochschule HFF, die ebenfalls in München ansässig ist.

Ansonsten gibt es in Deutschland nur wenige Studiengänge, die speziell auf den Beruf des Lichtdesigners ausgerichtet sind. Dies könnte sich allerdings bald ändern, sollte der aktuelle Trend anhalten. Der weltweit organisierte Verein PLDA (Professional Lighting Designers Association) setzt sich etwa dafür ein, dass „Lighting Designer“ als international geschützte Berufsbezeichnung anerkannt wird.

Wer gerne im Lichtbereich arbeiten möchte, in Wismar oder München allerdings keinen Platz findet, hat die Möglichkeit, sich an weiteren Architektur- oder Ingenieursfakultäten durch eine Spezifizierung seines Studiums weiterzubilden. An der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst etwa kann im Bachelorstudiengang „Gestaltung“ der Schwerpunkt „Lighting-Design“ gewählt werden. Die HAWK besitzt ein Lichtlabor und ist ebenfalls interdisziplinär ausgerichtet. Mitbringen sollten Studierende nach der Institutswebsite solide technische Fähigkeiten, ein kreatives Gespür und ein geschärftes Umwelt-Bewusstsein.

Die Universität Innsbruck musste seine akademische Weiterbildung im Lighting Design in Zusammenarbeit mit der Lichtakademie Bartenbach leider beenden. Der Leiter der Akademie, Christian Bartenbach, gilt als einer derjenigen, die den Beruf des Lighting Designers in Deutschland etabliert haben. Seine Passion für Licht gilt als einmalig und geht über den technischen Aspekt weit hinaus: „Licht ist das Medium des Sehens und der Seele. Es wirkt auf Lebensrhythmus, Stimmung und Leistungsfähigkeit des Menschen. Richtiges Licht am Arbeitsplatz aktiviert. Dunkelheit in öffentlichen Räumen erzeugt Unwohlsein, Licht ein sicheres Gefühl. Im Spiel von Licht und Schatten wird Architektur und Design in allen Dimensionen erlebbar. Der Umgang damit braucht Professionalität und Passion“, so ein Statement des erfahrenen Lichtdesigners.