VON MAXIMILIAN REICHLIN | 27.01.2015 12:20

Praktische Lösungen für Flüchtlinge – Über Cucula und andere Soziale Start-ups

Die Flüchtlingsproblematik ist aktuell in Deutschland wieder allgegenwärtig. In diesem Jahr werden über 200.000 Asylsuchende in der Bundesrepublik erwartet und bereits jetzt warnen Politiker vor überfüllten Heimen und steigenden Kosten. Während die Experten jedoch noch verbissen diskutieren, nehmen andere die Probleme lieber gleich selbst in die Hand. Mit Sozialen Start-Ups wollen junge Unternehmer den Flüchtlingen in Deutschland eine Zukunft ermöglichen. So auch das Berliner Projekt „Cucula“, das aus fünf westafrikanischen Flüchtlingen kurzerhand Möbelbauer machte – und damit Erfolge feiert.


Die Idee ist denkbar einfach: Gemeinsam mit Produktdesigner Sebastian Däschle arbeiten die Flüchtlinge aus Mali und Niger in der Cucula-Werkstatt in Berlin, stellen Designer-Möbel her und verkaufen sie und sammeln nebenbei auf der Crowd-Funding-Website „Startnext“ Spenden für eine weiterführende Ausbildung der fünf Trainees. Ein kleines Unternehmen soll entstehen, in denen nicht nur „für“ sondern gemeinsam mit Flüchtlingen gearbeitet wird. Gleichzeitig stellt die „CUCULA – Refugees Company for Crafts and Desig“ den Asylsuchenden Sprachkurse, Weiterbildungsmöglichkeiten und eine Rechtsberatung zur Verfügung.

Stolze 120.000 Euro sind bisher an Spenden für Cucula gesammelt worden. Das angestrebte Ziel von 70.000 Euro für die fünf Ausbildungsstipendien der Flüchtlinge wurde damit schon lange erreicht, trotzdem gehen weiter Spenden ein. Auch auf mehreren Ausstellungen und Messen waren die Cucula-Möbel, in denen auch Teile von gesunkenen Flüchtlingsschiffen aus Lampedusa verbaut sind, bereits zu sehen. So etwa auf dem Berliner Design-Festival DMY oder im Rahmen der Dutch Design Week in Eindhoven.

Selber bewegen, was sich nicht bewegt

Projektleiter und Initiator Däschle wollte mit dem Modellbetrieb zeigen, dass es, abseits der theoretischen und politischen Debatte, praktische Möglichkeiten gibt, um Flüchtlingen aktiv zu helfen. Rechtlich bewegt er sich damit noch auf dünnem Eis, denn: Seine fünf westafrikanischen Mitarbeiter haben in Deutschland keine Arbeitserlaubnis. Ihre Asylanträge laufen noch, der Ausgang ist unklar. Däschle selbst ist zuversichtlich, dass eine Abschiebung für seine Trainees unwahrscheinlich sein dürfte, solange sie in einem gut laufenden Unternehmen eingebunden sind, doch das sehen manche anders.

„Ich kann mir vorstellen, dass die Ausländerbehörde das Projekt auflaufen lässt“, sagte etwa Rechtsanwalt Michael Matusche im Gespräch mit der TAZ. „Die deutsche Gesetzgebung ist so ausgelegt, dass man Menschen aus Afrika den Anreiz nehmen möchte, nach Europa zu kommen.“ Diese Richtung scheint auch die Politik einzuschlagen. In den letzten Monaten haben die deutschen Innenminister vermehrt Zweifel daran angemeldet, ob überhaupt noch mehr Flüchtlinge aufgenommen werden können. Bundesinnenminister Thomas de Maizière hält die Zahl der eingegangenen Asylanträge gar für „überdurchschnittlich“. In München und Berlin mussten bereits Unterkünfte für Asylsuchende wegen Überfüllung geschlossen werden. Die einstimmige Meinung der Politik lautet, so scheint es: Das Boot ist voll.

Dennoch schießen nach Cucula ähnliche Soziale Start-Ups überall im deutschsprachigen Raum aus dem Boden. So arbeitet das Projekt „Berlin Street Music 4 Refugees“ mit Berliner Straßenmusikern zusammen, um CDs zu verkaufen und die Spenden anschließend namhaften Flüchtlingsorganisationen zukommen zu lassen. In Wien eröffnet darüber hinaus im kommenden Februar, ebenfalls durch Crowd-Funding finanziert, das „Magdas Hotel“, das von Hotellerie-Profis in Zusammenarbeit mit Flüchtlingen als „Social Business“ geführt werden soll. Man darf also gespannt sein darauf, wie es mit solchen Ideen weitergeht - und mit den fünf Flüchtlingen von Cucula.