VON RICHARD KEHL | 22.12.2009 15:26
UNI Kino: Lila Lila
In der Lüge liegt die Wahrheit.
Künstler waren beim weiblichen Geschlecht schon immer begehrt, angesehen und beliebt. Das ändert auch bei Studentinnen nichts. Nach dem Bestseller „Lila Lila“ von Martin Suter, mit bisher 300.000 verkauften Exemplaren aus dem Jahr 2004, wurde der literarische Stoff mit Daniel Brühl in der Hauptrolle verfilmt. Dieser spielt einen Aushilfs-Kellner, der sich als Schriftsteller ausgibt, um das Herz einer Literatur-Studentin zu gewinnen.
David Kern (Daniel Brühl) ist Aushilfskellner in einem Boheme-Cafe - einem Szene-Treffpunkt von Studenten und angehenden Literaten. Darunter befindet sich auch Marie „Hannah Herzsprung“. Daniel ist vom ersten Moment an in sie verliebt, wird allerdings von ihr keines Blickes gewürdigt. Stattdessen wird er von ihr und ihren Kommilitonen arrogant als Dienstbote behandelt. Auch sonst wird der Aushilfskellner von seiner Umwelt mehr ignoriert als wahrgenommen, selbst auf dem Trödelmarkt: Hier sollte er im Auftrag des Cafés nach geeigneten Tischen Ausschau halten, lässt sich aber stattdessen einen alten Nachttisch andrehen.
Das Cafe hat keine Verwendung für das Mobiliar und so bleibt Daniel auf dem guten Stück sitzen. Was er zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß, dass der Inhalt hinter der kaputten Schublade sein Leben komplett ändern wird: Beim Kraftakt die Schublade zu öffnen fliegt ihm ein Manuskript von einem unveröffentlichten Liebes-Roman aus den 50er Jahren entgegen. Bei seinen Recherchen nach dem Autor findet er heraus, dass dieser schon längst verstorben sei und es keine Verwandten und Bekannten gibt. Er nutzt die Gunst der Stunde, gibt sich als Autor aus und übergibt das Manuskript seiner Angebeteten. Diese ist völlig begeistert, schickt das Werk an einen Verlag und nahezu über Nacht wird Daniel Kern der neue Star am Schriftsteller-Himmel. Mit dem Überraschungs-Erfolg klappt es auch mit der Liebe und Daniel gewinnt Marie´s Herz. Alles könnte so schön und reibungslos sein, bis eines Tages ein ominöser Fremder namens Jacky (Henry Hübchen) auftaucht und sich als den Urheber des Werks zu erkennen gibt.
Statt Daniel auffliegen zu lassen bietet er ihm an ihn zu managen und dafür zu schweigen. Schließlich wollen Frauen junge, erfolgreiche Künstler und keine alten sowie verlebten Schriftsteller. Daniel lässt sich auf den Handel ein, setzt damit seine Kontakte in die Verlagswelt sowie seine Liebe aufs Spiel.
Krtik: Unterhaltsame Hochstaplerkomödie mit überzeugenden Hauptdarstellern und satirischen Seitenhieben auf die Literatur- und Medienszene. Daniel Brühl brilliert in der Rolle des stotternden Vorlesers, das zu seinem „Markenzeichen“ wird. Über Nacht avanciert er zum Star-Autor - hochsterilisert von Verlagen und Medien. Dabei wird erneut die Frage aufgeworfen, warum man besser beim weiblichen Geschlecht ankommt, wenn man erfolgreich ist, als wenn man sonst einen durchschnittlichen Job nachgeht. Die Person an sich ändert sich nicht, nur das Umfeld. Dabei beruht der Erfolg auf Lüge und in der Lüge ist am Schluss auch die Wahrheit verborgen, ja die Wahrheit sogar der Lüge entspringt, wie es im Film auch von David geschildert wird.
Markus Sutor, rechnete in seinem Roman mit Buchverlagen ab und hält Ihnen einen eigenen Spiegel vor. Der Verfilmung ist im Gegensatz zu mancher Buchvorlage, hervorragend gelungen und bietet auch Nichtliteraten grandiose, intelligente, witzige sowie romantische Unterhaltung.
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